Der Weg des Naqshbandi Ordens

Die Wege des wirklichen Glaubens, die Wege, die unser Heiliger Prophet Muḥammad (ﷺ) uns durch Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (ra) und Sayyidinā Ali (ra) zeigte und die durch die Gefährten (Ṣaḥāba) des Propheten Muḥammad (ﷺ) und Heilige (Awliyā’) an uns weitergegeben wurden, sind als Wege der Ṭarīqas bekannt. Während die Sharīᶜa uns die Regeln der Anbetung lehrt, lehrt uns die Ṭarīqa den Weg, gutes Benehmen (Adab) zu erlangen und zur göttlichen Gegenwart zu gelangen.

Es gibt zwei Arten von Glauben. Der eine ist echt, der andere imitierend. Der Echte bringt Licht in das Herz eines Menschen. Bis es soweit ist imitiert er nur den Glauben.

Die Zeichen des wirklichen Glaubens sind drei:

Das erste Zeichen ist die Fähigkeit, den Lobpreis (Tasbīḥ) und das Gottesgedenken (Dhikr) aller Geschöpfe zu hören. Laut dem Koran gibt es nichts in der gesamten Existenz, das nicht den Herrn verherrlicht, nicht einmal unbelebte Objekte.

Das zweite ist Allāhs Öffnung des Herzens zur Quelle der Weisheit, die Wissen über alles gibt, was existiert, über dessen Position und dessen Zweck.

Drittens gibt es keine Schleier mehr zwischen dem Gläubigen und den himmlischen Welten (bazarkh). Er kann jeden der himmlischen Welten treffen, jeden Propheten oder Heiligen, ungehindert.

Bis diese drei Zeichen erscheinen, wisset, dass ihr verschleiert seid und nicht offen für das Licht des Glaubens. Ṭarīqas bereiten die Schüler (Murīden) auf echten Glauben vor. Die Bedeutung von Murīd ist: Einer, der nach echtem Glauben sucht.

Der Prophet (ﷺ) sagte, Religion in dieser Zeit zu praktizieren ist schwieriger, als brennende Kohle in der Hand zu halten.

Wir müssen angesichts der Widrigkeiten geduldig sein. Allāh (ﷻ) gibt denen, die unliebsame Prüfungen ertragen, endlose Belohnung. Dies ist der Weg des wirklichen Glaubens, wie der Weg der Propheten und Awliyā’, um die Schlechtigkeit der Menschen zu ertragen.

Es gibt viele Schleier zwischen uns und unseren himmlischen Positionen. Die Ausbildung, die ein Murīd in den Händen seines Shaykhs durchmacht, besteht darin, ihn auf die Göttliche Gegenwart vorzubereiten. Wenn der Murīd eine Prüfung besteht, wird ein Schleier durch seinen Shaykh entfernt, bis schließlich alle Schleier entfernt sind und der Murīd in der Göttlichen Gegenwart anlangt.

Nur jemand, der die Göttliche Gegenwart erreicht hat und vom Heiligen Propheten Muḥammad (ﷺ) autorisiert wurde, hat das Wissen, diese Schleier zu entfernen. Damit man also zur Göttlichen Gegenwart gelangen kann, muss man dem Shaykh einer Ṭarīqa das Treueversprechen (Bayᶜa) geben und seinen Lehren folgen. Wenn ein Murīd jedem Befehl seines Shaykhs gehorcht, besteht er damit alle ihm auferlegten Prüfungen und erreicht eine Vertrauensposition zu seinem Shaykh. Wenn der Shaykh den Murīd vertrauenswürdig findet, zerreißt er die Schleier zwischen dem Murīd und der Göttlichen Gegenwart.

Nachdem ein Schleier entfernt worden ist, macht der Murīd neue Erfahrungen und neue Horizonte des Wissens werden ihm zur Verfügung gestellt. Mit der Entfernung eines jeden Schleiers kommt auch Gewissheit (yakīn).

Der Glaube des Murīden wird auf diese Weise gefestigt. Dies wird so lange gemacht, bis er sich vollständig dem Willen Allāhs, des Allmächtigen, unterwirft.

Alle Ṭarīqas sind Wege zur Göttlichen Gegenwart. Der Shaykh einer Ṭarīqa ist in der Lage, mit seinem Shaykh zu kommunizieren, der wiederum in der Lage ist, mit seinem Shaykh zu kommunizieren und so weiter bis zum Ende der Kette, wo der erste Shaykh der Ṭarīqa in Kommunikation mit dem Heiligen Propheten Muḥammad (ﷺ) ist. Der Shaykh ist auch direkt in Kommunikation mit dem Heiligen Propheten Muḥammad (ﷺ). Darüber hinaus wurde dem Shaykh bei der Erlangung der Göttlichen Gegenwart höheres und geheimes Wissen gegeben. Durch diese Methode hat der Shaykh perfekte Führung in allem. Wir sind in der Dunkelheit und brauchen Lichter, das Licht des Prophetentums, um uns zu informieren, was im Allgemeinen vor uns liegt, und das Licht der Heiligkeit, um uns zu unseren persönlichen Zielen zu führen.

Unser Ziel ist der Himmel. Wir können es nicht sehen, es sei denn durch einen angesehenen Orden von Allāh (ﷻ) und Seinem Propheten (ﷺ). Die Wirklichkeit ist eine kostbare Sache, die nicht vielen gegeben wird. In dieser Zeit ist der einzige Weg für eine echte Verbindung zum Propheten Muḥammad (ﷺ) der Weg durch die Naqshabandi Ṭarīqa.

Der Heilige Prophet (ﷺ) sagte über die letzten Tage, dass das einzige offene Tor das Tor von Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (ra) sein würde, welches der Ursprung des Naqshabandi Ṭarīqa ist.

Während der Auswanderung (Hijra) des Heiligen Propheten (ﷺ) wurde er von Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (ra) nach Medina begleitet. Sie flüchteten vor ihren Widersachern in die Höhle von Thaur. Während in der Höhle Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (ra), wegen der Notlage des Islāms in größter Angst, zum Heiligen Propheten (ﷺ) sagte: „Unsere Feinde sind so viele und wir sind nur zwei“. Der Heilige Prophet (ﷺ) antwortete: „Nein, wir sind drei“. Er meinte, dass es neben den beiden auch Allāh (ﷻ) gab. In diesem Augenblick war eine Vielzahl von Stimmen zu hören, die „Allāhu Allāhu Allāhu Haqq“ riefen.

Dies ist der Eid der Treue zur Naqshabandi Ṭarīqa. Dies war die Geburtsstunde der Naqshbandi Ṭarīqa.

In diesem Moment rief Abū Bakr aṣ-Ṣiddīq (ra) die Geister all derer, die am Tag der Verheißungen zu den 7007 Imamen der Naqshbandi Ṭarīqa auserwählt wurden, in die Höhle.

Sie wiederum riefen die Seelen all derer, die am Tag der Verheißungen zu ihren Murīden auserwählt wurden, in die Höhle. Die unzähligen Stimmen in der Höhle gehörten den Seelen aller zukünftigen Anhänger der Naqshbandi Ṭarīqa, die in diesem Augenblick bei Allāh (ﷻ) waren. Nur diejenigen, die an diesem Tag in der Höhle von Thaur anwesend waren, waren dazu bestimmt, Anhänger der angesehensten Naqshbandi Ṭarīqa von dieser Zeit bis zum Tag des Gerichts (Qiyama) zu werden.

Der Naqshbandi Orden entstand im Herzen des Propheten Muḥammad (ﷺ), und seine Autorität wurde durch Abū Bakr (ra) von einem Meister zum nächsten in einer ununterbrochenen Kette von Nachfolgern weiter-gegeben, die bis in unsere Zeit reicht. An das Herz von Abu Bakr (ra), dem ersten Stellvertreter (Khalif), gab der Prophet die volle innere Wahrheit seiner Lehren weiter. Da Abū Bakr (ra), unter allen Gefährten des Propheten (ﷺ), der einzige war, der die volle innere Wahrheit aus dem Herzen des Propheten (ﷺ) erhielt, erbte der Naqshbandi-Orden die umfassendste und feinste dieser prophetischen Lehren. Denn wie der Heilige Prophet (ﷺ) in einer bekannten Überlieferung sagte:

„Alles, was mir ins Herz gegossen wurde, habe ich in das Herz von Abū Bakr (ra) gegossen.“

Prophet Muḥammad (ﷺ)

Abū Bakr (ra) wurde „Ṣiddīq“, „der absolut Wahrhaftige“ genannt.

Die Station „Ṣiddīq“ ist die höchste aller Stationen nach der Station des Prophetentums. Wer seine spirituelle Erziehung durch die Lehren des Naqshbandi-Ordens erhält, kann hoffen, schließlich die Station von „Ṣiddīq“, der Station der absoluten Wahrhaftigkeit, zu erreichen.

In jeder Religion ist diese Station von „Ṣiddīq“ der äußerste Horizont der Hingabe an die Wahrheit, besonders im Islām.

Wir danken Allāh, dem Allmächtigen, dass Er uns auf diese Ebene führt, in Richtung einer Helligkeit, die wie der schillerndste Planet am Himmel, die Venus, unter all den anderen Sternen und Planeten ist.

Wir sind noch Anfänger, die versuchen, dieses Niveau zu erreichen, und wir beten, dass unser Herr nicht auf unsere Unzulänglichkeiten schaut, sondern uns Seine Göttliche Hilfe gewährt, damit wir dieses entfernte Ziel erreichen können. Daher aktiviert die Ṭarīqa an-Naqshbandiyya (wie es durch Abū Bakr aṣ- Ṣiddīq weitergegeben wurde) die Seelen der Murīden in dem Maße wie der Murīd seine Begierden mit den Wünschen seines Shaykhs in Einklang zu bringen vermag. Der erste Schritt ist jedoch, auf der untersten Ebene zu beginnen, mit dem Weg der vier Imame. Wenn du nicht auf der niedrigsten Ebene beginnst, kannst du keine höheren Ebenen erreichen. Mawlānā Shaykh Nāẓim (qs) sagt: „Ich bin jemand, der zur Anleitung für diesen perfekten Weg des angesehenen Naqshbandi-Ordens autorisiert wurde. Die Naqshbandi Ṭarīqa ist wie ein Himmel, der die ganze Welt bedeckt. Niemand kann aus ihm heraus entkommen, weil er alle Wege umfasst. Er ist perfekt und er ist der kürzeste.“

„Mir wurde befohlen, euch klar zumachen, dass jeder, der die Kontrolle über sich selbst verliert und sich in einer schwierigen Lage befindet, sofort mit meinem Herzen in Kontakt kommen kann, wenn er nur an mich denkt. So kann sofort eine Verbindung zu mir hergestellt werden.

Ihr müsst nur an mich denken. Das wird mich dazu veranlassen, ihn oder sie anzuschauen. Durch diese Verbindung wird schnell eine Kraft durch euch laufen und euch davor schützen, in eine gefährliche Situation zu geraten.

Es ist nicht meine geistige Kraft, aber ich stehe in Verbindung mit einer Kette, die durch Heilige mit unserem Herrn verbunden ist. Ich bin der letzte Teil der Kette, der euch erreicht. Es ist wie ein Stecker, den man mit Strom verbinden kann.“

Naqsh bedeutet Stempel oder Abdruck. Wenn wir nicht geduldig sind, um dieses Tattoo machen zu lassen, was ist dann mit dem Naqsh auf dem Herzen? Der Naqsh des Herzens ist Allāh. Wer dieses Naqsh auf seinem Herzen will, kommt zum Naqshbandi-Weg. Es ist der höchste Weg in allen Religionen. Sobald dieser Stempel gemacht wurde, wird der Mensch immer bei seinem Herrn sein.

Zu dieser Zeit wird seine sterbliche Persönlichkeit ausgelöscht werden und er wird ein Vertreter seines Herrn unter den Menschen sein. Er wird sein Ego zurücklassen und ein reiner, gereinigter, „privater“ Diener seines Herrn werden. Keine Persönlichkeit mehr, sein Herz ist gestempelt mit Allāh.

Das Siegel der Propheten, Muḥammad, (ﷺ) lehrte seine Gefährten, vor allem die Versammlung, indem er sie als seine Gefährten nahm, indem er eine Verbindung mit ihnen einging. Dementsprechend betonen die Erben des Propheten (ﷺ), die Naqshbandi Meister, die Bedeutung von Ṣuḥba, der Versammlung mit dem Shaykh, als die wesentliche Säule in der Ausbildung der Suchenden. Shah Naqshband, der erleuchtete Imam der Linie der Meister, der wir folgen, der Imam, nach dem der Pfad benannt ist und ohne den es keine Naqshbandi Ṭarīqa geben würde, hat in seinen Versammlungen immer wiederholt:

„Unser Weg ist Versammlung (Ṣuḥba) und das Gute liegt in der Gemeinschaft.“

Shah Naqshband

Er erklärte ferner, dass, wenn jemand an einer Versammlung dieser Art auch nur für fünf oder zehn Minuten teilnimmt, er einen so immensen spirituellen Nutzen aus dieser kurzen Begegnung ziehen würde, dass dieser den Nutzen von sieben Jahre überragender Anbetung überwiegt.

Ein weiterer wichtiger Punkt zu verstehen ist: Wenn eine Gruppe unserer Brüder oder Schwestern sich um Allāhs (ﷻ) Willen trifft und sich mit ihren Herzen einmütig mit den Meistern verbindet, dann wird dieses Treffen dieselben wohltuenden Auswirkungen erreichen wie eine Zusammenkunft der Art wie gerade vorher beschrieben.

Macht nicht den Fehler zu denken, dass das einzige nützliche Treffen dasjenige ist, bei dem der Shaykh physisch anwesend ist.

Wenn unsere Brüder oder Schwestern zusammenkommen, muss einer von ihnen der Kanal für die Inspiration sein, die vom Shaykh kommt. Dieser muss sprechen und die anderen zuhören; dieser muss vom Shaykh und die anderen durch ihn vom Shaykh nehmen.

Der Naqshbandi-Weg ist der Sufi-Pfad, der sich am engsten an die Praktiken des Heiligen Propheten (ﷺ) hält. Die Versammlung auf diese Weise war sein Weg und der Weg seiner Gefährten, da er immer einen Führer ernannte, der in seiner Abwesenheit den Vorsitz innehaben sollte.

Wa min Allāhi t-tawfīq, al-Fātiḥa.

Vortrag von Shaykh Nāzim ᶜᾹdil al-Haqqānī.

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