Global schlechtes Benehmen

Prolog

Unser heiliger Prophet (ﷺ) lehrt uns gute Manieren und gute Charaktereigenschaften. Er selbst war demütig. Die höchste Station unseres Propheten (ﷺ) war seine Demut.

Als er zu den Versammlungen kam, wollte er nicht, dass einer seiner Gefährten (ṣaḥāba) aufsteht. Aus Demut wollte unser Prophet (ﷺ) nicht, dass ihm viel Gunst und Respekt gezeigt wird.

Sie hatten aber noch andere Arten von Respekt. Wenn sie saßen und unser Prophet (ﷺ) sich hinsetzte, um zu sprechen – egal, ob er sprach oder nicht – sie saßen mit guten Benehmen (adab) vor unserem Propheten (ﷺ). Vögel konnten auf ihren Köpfen landen. Aber sie saßen mit so viel Respekt, dass sie nicht einmal die kleinste Bewegung oder das kleinste Geräusch machten.

Die Menschen von damals verstanden es nicht, dass man solchen Respekt zeigen konnte.

Manchmal kamen Leute von anderen Orten und baten darum, dass ihnen von diesen Gefährten erzählt wird. Dann hörten sie erzählen: „Sie [die Gefährten] stehen in solchem Respekt vor unserem Propheten (ﷺ). So viel Liebe und Respekt haben wir nirgendwo sonst gesehen.“ Die das hörten sagten daraufhin, dass dies eine echte Religion sein müsse und nahmen entweder den Islām an oder stoppten ihre Feindschaft.

Damals versuchten sie, auf die richtige Weise zu leben.

Die Dinge, die unser Prophet (ﷺ) zeigte, müssen auch für uns ein Vorbild sein. Von dem, was unser Prophet (ﷺ) tat, von seinem Benehmen (adab), von seinem Verhalten (sunnah und mustaḥabb) müssen wir lernen.

Jetzt sind wir am Ende der Zeiten.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Was auch immer die Menschen tun, sie wollen von allen bewundert werden. Sie wollen einen Teil der Aufmerksamkeit für sich selbst.

In früheren Zeiten taten sie das nicht. Keine Notwendigkeit für Aufmerksamkeit. Weil es eine Last für sie war. Wenn sie aßen, zeigten sie es nicht.

Heutzutage teilen die Menschen überall, was sie essen und wo sie essen. Lasst das. Das machen sogar die Leute in der Ṭarīqa mit. Es gibt keine Notwendigkeit, alles zu verbreiten.

Man muss schauen, ob es angebracht ist. Viele Menschen leiden an Hunger und denken vielleicht, dass alles, was wir tun, ist, über Essen nachzudenken oder dass wir nichts anderes zu tun haben, als zu reisen. Sie sehen es so.

Und dies wird zur Last. Das bringt Verantwortung mit sich für den, der es tut. Es stimmt, dass wir es tun. Wir leben in dieser Zeit. Aber wir müssen nicht tun, was alle tun.

Wir müssen schauen, was mit gutem Benehmen (adab) übereinstimmt und das tun. Wenn nicht, ist es dann richtig? Oder ist es egoistisch? Es zeigt die Menschen den anderen ein wenig unterschiedlich. Das ist nicht nötig.

Allāh (ﷻ) erwies dir Gunst. Verstecke es und iss einfach. Weil es gibt Neid und es gibt den bösen Blick. Wenn es jemanden trifft jammert er dann: „Ich habe alles verloren. Das und das ist passiert.“

Deshalb, was auch immer ihr tut, tut es privat. Das sagt unser Prophet (ﷺ).

Es gibt Dinge, die jedem gezeigt werden sollten und andere Dinge, die es nicht sollten – private Dinge und öffentliche Dinge.

Es gibt keine Notwendigkeit, alles vor allen die ganze Zeit herzuzeigen.

Auch Allāh (ﷻ) wird darüber Fragen stellen. Wenn wir oder andere also etwas mit oder ohne Wissen tun, möge uns  Allāh (ﷻ) vergeben.

Wir sollten vorsichtig sein. Früher gab es die Regeln der Moral.

Die Leute versteckten ihr Essen und zeigten es niemandem. Sie hätten sich geschämt.

Heutzutage gehen die Leute zu einem privaten Abendessen und posten oder senden alles, was sie essen und trinken. Dies ist völlig vulgär, derb, hart und unfreundlich.

Alles ist am Ende der Zeit hart wie Beton. Jeder ist wie Beton.  Genau wie Beton wurden die Menschen hart. Sie können nicht mehr unterscheiden, ob das, was sie tun, freundlich oder hart ist. Es ist eine absolute Härte.

Möge Allāh (ﷻ) uns Verständnis geben, inshāʼllāh. Mögen wir diese Fehler nicht begehen, inshāʼllāh.

Wir sind von der Gemeinschaft (umma) des Propheten Sayyidunā Muḥammad (ﷺ) und wir folgen ihm und er ist der Beste, der Vollkommenste in dieser Existenz – unser Prophet (ﷺ), Sayyidunā Muḥammad (ﷺ). Und wir haben das Glück, aus seiner Gemeinschaft zu kommen.

Er war, trotz seiner Macht – er war der Größte – demütig. Er war der demütigste.

Selbst wenn er in die Moschee des Propheten (masjid an-nabawī) durften die Gefährten nicht aufstehen, um ihn zu begrüßen. Das gefiel ihm nicht. Sie blieben sitzen.

Aber sie respektieren ihn auch und zeigten gutes Benehmen, als er in der Moschee saß, vielleicht vor Tausenden von Menschen. Tausende Gefährten waren in der Moschee um ihm zuzuhören. Sogar Vögel konnten herumfliegen und sich auf ihre Köpfe setzen, ohne dass, sie eine Bewegung machten. Keine Bewegung, nur um dem Propheten (ﷺ) zu hören. Keine Stimme, nichts, nur um zu hören, was er sagt – aus Liebe und Respekt.

Wir Muslime sollten viel von diesem Respekt und diesem guten Verhalten lernen.

Damals kamen viele Menschen, sogar viele aus dem Ausland, um den Propheten (ﷺ) zu sehen. Könige sandten ihre Boten mit Briefen an den Propheten (ﷺ), um herauszufinden, was ihn auszeichnet. Sie taten dies, um zu sehen, wie sie diesem Volk beikommen könnten. Aber als sie deren starkes Verhalten sahen, weil sie den Propheten (ﷺ) respektieren, wussten sie: „Dieses Volk wird die Herrschaft übernehmen, denn niemand kann vor ihnen bestehen.“

So etwas zu sehen, war damals in diesem Ort in der Wüste Arabiens unglaublich. Zwei Menschen zusammenzubringen, ohne etwas zu tun, war damals unmöglich. Deshalb wussten die Menschen, dass der Prophet (ﷺ) ein echter Bote von Allāh (ﷻ) ist.

Sie [der Prophet (ﷺ) und seine Gefährten] lehrten gutes Verhalten für die ganze Welt und viele Menschen wurden Muslime wegen dieses guten Benehmens.

Aber in diesen Tagen leben wir in der Endzeit. Auch die Muslime vergessen dieses gute Verhalten. Sie sehen nur  – man sagt „global“ –  schlechtes Verhalten. Das ist es, was die Menschen lehren. Alles Schlechte lehren sie die Menschen.

Es gibt sehr schlechte Sachen und Handlungen, die sie lehren und du denkst, es ist nicht so schlimm. Aber es ist schlimm. Gutes Benehmen (adab) dagegen wäre z.B.: Wenn du isst, darfst du es den Leuten nicht zeigen, was du isst.

Viele Leute, sogar Mawlānā, sagten, im Restaurant ist es nicht gut, in der Nähe des Fensters zu sitzen, weil arme Menschen es sich oft nicht leisten können zu essen, und sie schauen nach dir, und das wird Gift für dich. Aber heutzutage tun die Menschen sogar mehr als das. Sie machen Fotos und werfen es in die ganze Welt. „Ich esse das. Ich tue dies.“

Es ist nicht gut, vor allem für die Menschen in der Ṭarīqa. Auch die tun es. Dies ist kein gutes Benehmen entsprechend der Ṭarīqa und auch nicht des Islam.

Es gibt z.B. auch etwas Besonderes, ganz Besonderes, das man nicht tun sollte. Der Prophet (ﷺ) sagte, wenn ihr nach einem Brief eures Bruders ohne dessen Erlaubnis sucht, dann sucht ihr nach Feuer.

Aber heutzutage veröffentlichen die Leute gerne alles. Dies ist nicht gut. Ihr müsst fragen, ob etwas privat ist, dann könnt ihr dies nicht tun. Wenn ihr Erlaubnis habt, könnt ihr es tun.

In einer solchen Zeit leben wir. Ihr denkt, alles, was machbar ist, ist erlaubt. Wenn ihr in der Ṭarīqah seid, könnt ihr alles tun. Nein. Wenn ihr in der Ṭarīqah seid, müsst ihr umso vorsichtiger sein. Aber was machen wir?

Allāh (ﷻ) gib uns – allen Menschen – gutes Benehmen, weil dieses ‚globale‘ Benehmen ist nur schmutzig und Müll. Allāh (ﷻ) gibt uns Gutes, lass uns dem guten Verhalten unseres Propheten (ﷺ) folgen, inshāʼllāh.

Wa min Allāhi t-tawfīq, al-Fātiḥa.

Vortrag von Shaykh Muḥammad ᶜᾹdil ar-Rabbānī am 7. Februar 2019 / 1. Jumādā th-thanī 1440.

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